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Thünen-Report 65: Was der ökologische Landbau für uns alle leistet

Eines der wichtigsten Ziele der Neumarkter Lammsbräu ist es, den Öko-Landbau zu stärken. Denn mehr Öko-Landbau bedeutet mehr Natur- und Klimaschutz – und gut für unser Wasser ist er auch! Diese Zusammenhänge werden erklärt in einer breit aufgestellten wissenschaftlichen Studie.

Im Thünen-Report 65 hat ein interdisziplinäres Forschungsteam den aktuellen Wissensstand aufbereitet. Er ist zuletzt in einer zweiten, aktualisierten Auflage erschienen. Bewertet werden in diesem Report die gesellschaftlichen Leistungen des ökologischen Landbaus in den Bereichen Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Klimaschutz, Klimaanpassung, Ressourceneffizienz und Tierwohl. Wir fassen hier für euch die Ergebnisse in aller Kürze zusammen.

 

Wasserschutz

Verglichen wurden ökologische und konventionelle Landwirtschaft. Die Auswertung zeigte, dass bei 70 % der 292 Vergleichsstudien die ökologische Variante im Hinblick auf Wassergefährdung durch Stickstoff und Pflanzenschutzmittel eindeutige Vorteile gegenüber der konventionellen Bewirtschaftung hatte. Ökologische Betriebe verzeichneten im Mittel eine um 28 % geringere Menge an Stickstoff-Austrägen. Zudem verzichten Bio-Betriebe vollständig auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Auch bei Tierarzneimitteln wird aufgrund der Produktionsvorschriften für die ökologische Tierhaltung von deutlich geringeren Einträgen ausgegangen. Insofern wird der ökologische Landbau von den Autoren des Thünen-Reports insbesondere zur Bewirtschaftung von Wasserschutzgebieten empfohlen.

 

Bodenfruchtbarkeit

Die Auswertung zeigt auch hier deutliche Vorteile des ökologischen Landbaus. Die Häufigkeiten und Biomassen von Regenwurm-Populationen waren unter ökologischer Bewirtschaftung im Mittel um 78 bzw. 94 % höher. Bei 62 % der Vergleichsstudien konventioneller/ökologischer Anbau war zudem die ökologische Wirtschaftsweise im Oberboden mit einer geringeren Versauerung verbunden. Im Mittel war darüber hinaus der Eindringwiderstand im ökologischen Ackerbau geringer (‐22 %) – ein hoher Eindringwiderstand in den Boden ist ein Anzeichen für schädliche Verdichtungen.

„Die Frage, welche Umweltwirkungen und Umweltleistungen vom ökologischen Landbau ausgehen, hat für Politik und Gesellschaft angesichts der bestehenden Umweltprobleme in der Landwirtschaft eine große Bedeutung.“

Biodiversität

Positive Effekte des ökologischen Landbaus auf die Biodiversität sind laut Thünen-Report eindeutig belegbar. Im Median lagen die mittleren Artenzahlen der Ackerflora bei ökologischer Bewirtschaftung um 95 %, bei der Acker‐Samenbank um 61 % und der Saumvegetation um 21 % höher als im konventionellen Landbau. Bei den Feldvögeln waren mit ökologischer Bewirtschaftung die Artenzahl um 35 % und die Häufigkeit um 24 % höher. Mit 23 % bzw. 26 % lagen diese Werte auch bei den blütenbesuchenden Insekten höher.

 

Klimaschutz

Im Durchschnitt weisen ökologisch bewirtschaftete Böden einen um 10 % höheren Gehalt an organischem Bodenkohlenstoff und eine um 256 kg C/Hektar höhere jährliche Kohlenstoffspeicherungsrate auf als konventionell bewirtschaftete Böden. Lachgas-Emissionen sind im Mittel um 24 % niedriger. Aus diesen Werten ergibt sich eine Klimaschutzleistung des ökologischen Landbaus von 1.082 kg CO2‐Äquivalenten pro Hektar und Jahr.

 

Anpassungsfähigkeit an das sich verändernde Klima

Wichtige Eigenschaften des Oberbodens, die zur Erosionsvermeidung und zum Hochwasserschutz beitragen, wiesen bei einer ökologischen Bewirtschaftung vergleichbare oder bessere Werte auf als bei einer konventionellen. Da eine höhere Wasseraufnahmefähigkeit den Bodenabtrag und den Oberflächenabfluss reduziert, waren auch diese Werte bei einer ökologischen Bewirtschaftung niedriger (‐22 % bzw. ‐26 %). Das bedeutet, im Bio-Landbau gehen weniger Boden und Niederschlagswasser verloren.

 

Tierwohl

Werden über die Vorgaben der EU-Öko‐Verordnung die Hauptrisikofaktoren für Tiergesundheitsprobleme adressiert, schneiden ökologische Betriebe besser ab. So wirken sich beispielsweise die Vorgaben zu Einstreu und Platzangebot vorteilhaft aus. Nur wenige Studien berücksichtigen bisher neben der körperlichen Gesundheit weitere Dimensionen des Tierwohls, d.h. Verhalten und emotionales Befinden. Die Forschungsergebnisse deuten hier Vorteile der ökologischen Tierhaltung an, z.B. aufgrund des größeren Platzangebots oder des Zugangs zu Freiflächen.

„Folglich ist deshalb zu schlussfolgern, dass der ökologische Landbau einen relevanten Beitrag zur Lösung der umwelt‐ und ressourcenpolitischen Herausforderungen dieser Zeit leisten kann und zu Recht als eine Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Landnutzung gilt.“

Hintergrund

Der ökologische Landbau steht für ein ganzheitliches Konzept mit dem Anspruch, in besonderer Weise die Belastungsgrenzen der Natur zu berücksichtigen. Die Nutzung ökologischer Zusammenhänge, möglichst geschlossene Nährstoffkreisläufe sowie die vorrangige Verwendung betriebsinterner und regionaler Produktionsmittel stellen dabei wichtige Eckpfeiler dar. Als Konsequenz ist beispielsweise der Tierbesatz an die Fläche gekoppelt und der Zukauf externer Futtermittel beschränkt. Anstelle des ressourcen‐ und energieaufwändigen Einsatzes z.B. von chemisch‐synthetischen Pflanzenschutzmitteln und mineralischen Düngemitteln kommen systemorientierte Strategien zum Einsatz. Hierzu zählen u.a. der Anbau weniger krankheits‐ und schädlingsanfälliger Sorten in angepassten Fruchtfolgen, die Förderung von Nützlingen und die mechanische Beikraut-Regulierung. Fungizide oder Insektizide sind nur auf naturstofflicher Basis zugelassen. Herbizide werden im ökologischen Landbau nicht verwendet. Analog dazu wird in der ökologischen Tierhaltung die Gesundheit der Tiere insbesondere durch geeignete Haltungsbedingungen, angepasste Leistungen und entsprechende Rassenwahl gefördert. Die positiven Auswirkungen auf die Umwelt sind seit Anfang der 1980er Jahre Gegenstand agrarwissenschaftlicher Forschung. Der Thünen-Report 65 bietet als eine von wenigen Studien einen umfassenden Überblick.

Quelle: Thünen Report 65, September 2019, www.thuenen.de

 

 

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