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Klimaschutz bei der Feldarbeit

Datum: 11.Januar 2023 Von: Das Team der Neumarkter Lammsbräu
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Welchen Treibhausgas-Fußabdruck verursacht unser Bio-Getreide? Um das herauszufinden, haben wir unter allen Landwirtinnen und Landwirten unserer Erzeugergemeinschaft eine Umfrage gemacht.  Im Durchschnitt wurden rund 1200 kg Treibhausgase pro Hektar ausgestoßen. Dabei entfielen 51 % auf Düngung, 31 % auf Dieselverbrauch, 11 % auf Saatguteinsatz sowie 6 % auf Emissionen aus Ernte- und Wurzelrückständen. Gleichzeitig ergaben Gespräche mit unseren Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern: Es gibt jede Menge Verbesserungspotential. Hier kommen ein paar Tipps aus der Praxis. 


Richard Heinloth, Sie haben angegeben, dass Sie gar keinen Wirtschaftsdünger verwenden. Wie gehen Sie bei der Düngung vor? 

Richard Heinloth: Das stimmt, ich verwende weder Mist noch Gülle. Stattdessen dünge ich rein mit gehäckseltem Stroh, Zwischenfrüchten und Kleegras und erreiche auch so gute Erträge. Nach der Getreideernte bringe ich eine Tonne Gesteinsmehl (kohlensaurer Kalk) pro ha aus. Als Zwischenfrucht verwende ich Mulchsaat Sprint MS 100 S von BSV. Da die MS 100 S Lichtkeimer sind, kann ich diese mit meinem Schleuderstreuer nach dem Grubbern ausstreuen und muss sie nicht säen. 

Wie sieht Ihre Fruchtfolge aus? 
Richard Heinloth: Im Herbst des ersten Jahres säe ich den Weizen erst zwischen der letzten Oktober- und ersten November-Woche.  Im Jahr darauf wird nach der Ernte die Zwischenfrucht ausgestreut. Diese lasse ich bewusst im Winter abfrieren und pflüge sie dann Ende Januar ein. Meiner Erfahrung nach kann der Boden das besser verarbeiten, als wenn man es im Herbst mulcht und grün einpflügt. Im März säe ich daraufhin die Gerste.  
Nach der Ernte baue ich im Herbst direkt Kleegras an, das den Boden gleich wieder grün bedeckt. Es bleibt für 2 Jahre bestehen, danach beginnt die Fruchtfolge wieder von vorne.  

Haben Sie darüber hinaus noch Tipps für andere Landwirtinnen und Landwirte? 
Richard Heinloth: Wie man in der Fruchtfolge erkennen kann, säe ich meinen Weizen ca. 2 Wochen später als viele andere. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, weil ich so weniger Probleme mit Beikräutern und Pilzkrankheiten bekomme.
  
Wir haben außerdem gesehen, dass Sie einen vergleichsweise geringen Dieselverbrauch haben. Woran liegt das? 
Richard Heinloth: Das liegt vermutlich vor allem an meinem spritsparenden Traktor (Fendt 210), mit diesem brauche ich durchschnittlich 5 Liter pro Stunde. Da ich nur einen kleinen Nebenerwerbsbetrieb bewirtschafte, bin ich auch flexibler in der Zeiteinteilung und kann meine kleinen Flächen bei passenden Witterungsverhältnissen kurzfristig bearbeiten.  

Josef Medl, ein gesundes Bodenleben ist essenziell für nachhaltige Landwirtschaft. Haben Sie einen Tipp für andere Landwirtinnen und Landwirte, wie sie ihr Bodenleben verbessern können? 
Josef Medl: Die Bereitstellung von ausreichend Futter für Regenwürmer hat für mich Priorität. Wenn ich eine grüne Zwischenfrucht angebaut habe, dann fräse ich diese ca. 2 bis 4 cm tief ein, lasse sie anschließend 14 Tage liegen und nutze danach den Grubber, um sie tiefer mit Erde zu vermischen. Da sich die Regenwürmer (großer Tauwurm) nur von der Bodenoberfläche ernähren, ist es wichtig, viel Material in der Bodenoberfläche zu haben. Das ist vor allem im Herbst und Frühjahr wichtig, im Sommer bei großer Hitze und im Winter bei Bodenfrost sind die Regenwürmer nicht so aktiv und brauchen weniger Nahrung. 

Wie sieht das bei Ihnen aus?  
Josef Medl: Hier einige Eindrücke, von den diesjährigen Arbeitsschritten (Grünbrache: Wickroggen)

 

 

Grünbrache Wickroggen

Vor der Fräsen Mitte Juli

Vor dem Fräsen Mitte Juli

Nach dem Fräsen

nach dem Fräsen

Zwei Wochen später, nach Bearbeitung mit Grubber (10 cm tief)

Zwei Wochen später nch Bearbeitung mit Grubber

Feldaufgang, vier Wochen nach der Saat 

Eine Woche nach Feldaufgang

Eine Woche nach Feldaufgang

Weitere drei Wochen später, vor Einarbeitung Mitte September

Weitere 3 Wochen später, vor Einarbeitung Mitte September

 


 
Haben Sie darüber hinaus noch einen Tipp, wie sich der Dieselverbrauch reduzieren lässt? 
Josef Medl: Für mich sind das vor allem zwei Dinge: Zum einen sollten alle Überfahrten auf ein Minimum reduziert werden. Zum anderen hab‘ ich den Tipp, dass zapfwellengetriebene Landmaschinen mehr Sprit verbrauchen als gezogene. 

Familie Biedermann, die Auswertung ergab, dass ihr wegen eures hohen Ertrags einen sehr geringen Klima-Fußabdruck pro kg Gerste habt. Warum hattet ihr im Vergleich so hohe Erntemengen? 
Familie Biedermann: Ausschlaggebend für hohe Erträge ist das Zusammenspiel aus Wetter- und Bodenverhältnissen. Dieses Jahr gab es starke Regenfälle – dadurch waren wir mit unserem sandigen Boden im Vorteil, da das Wasser schneller versickern kann und das Korn nicht „ertrinkt“. In trockenen Jahren kann die geringe Wasserspeicherfähigkeit aber auch zum Problem werden. 

Laut Forschungsergebnissen soll die Mulchsaat eine gute Methode sein, um den Spritverbrauch zu reduzieren. Wie steht ihr dazu? 
Familie Biedermann: Leider sinken dadurch die Erträge. Vor 10 bis 15 Jahren haben wir auf anderen Feldern noch Mais angebaut – hier wurde das gemacht und die Erträge waren in Ordnung. Mit Getreide ist das aus unserer Sicht aber nicht sinnvoll. 

Werner Schwarz, wie stehen Sie zur Mulchsaat? 
Werner Schwarz: Ich sehe das kritisch. Nach meinen Erfahrungen gehen dadurch die Erträge um rund die Hälfte zurück, da dadurch das Unkraut einen Vorsprung vor dem Getreide bekommt, womit mehr Bodenbearbeitungsgänge nötig würden. Bei Mais und Sonnenblumen kann das besser funktionieren, da man hier hacken kann. 

Sie haben laut der Umfrage einen besonders geringen Spritverbrauch. Was sind Ihre Top-Tipps zur Dieseleinsparung? 
Werner Schwarz: Das Wichtigste ist, die Arbeitsgänge so weit als möglich zu reduzieren. Zum Beispiel säe ich direkt nach dem Pflügen, um Zwischenarbeitsgänge zu vermeiden. Eine andere Maßnahme ist, dass ich den Klee, den ich alle 5 Jahre zum Humusaufbau anbaue, schon vor der Ernte meiner Triticale ansäe. Dadurch spare ich mir die Bodenbearbeitung und der Klee wächst, wenn die Triticale abgeerntet ist.

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